Interview mit Herrn Schulte Teil 1

Stern Wintergarten GmbH
Das Unternehmen wurde 1995 gegründet und ist Mitglied im Bundesverband Wintergarten e.V. Der Stammsitz befindet sich mit der Fertigung für Wintergärten in Oldenburg – Hatten. Zudem gibt es Niederlassungen in Hamburg und Hannover, welche mit zu den wichtigsten Wirtschaftsregionen von Nordwest- Deutschland gehören.
Durch ein umfassendes Leistungsspektrum hat das Unternehmen seit seiner Gründung bereits mehr als 2400 Wintergärten erstellt.
Im Rahmen der Reihe “Hier spricht der Fachmann” hat die Redaktion von Wintergarten-Ratgeber Herrn Schulte zum Bau von Wintergärten, deren Planung und Gestaltung befragt. Nachfolgend der 1. Teil eines sehr aufschlussreichen Gespräches.
1. Planung
Herr Schulte, Sie stellen ein breites Produktspektrum zur Verfügung und bieten von der individuellen Fertigung bis hin zur Montage von Wintergärten, Überdachungen und Terrassendächern, Fenster und Türen ihre kompletten Leistungen an. Wie sieht es denn bei Ihnen mit der Grundplanung aus, mit wem sollte sich der Kunde in diesem Zusammenhang in Verbindung setzen, oder machen Sie gar auch die Bauplanung für Wintergärten im Haus?
Haben Sie Architekten die mit Ihrem Haus zusammenarbeiten – je nach Standort?
Ja – je nach Standort. Natürlich wird es gemeinsam erarbeitet je nach Thema, und wir machen dem Kunden auch Vorschläge wie er das Ganze umsetzen kann, aber die schlussendliche Planung als solches sollte ein Architektenbüro übernehmen.
Wintergärten unterliegen ja auch einer Baugenehmigung. Übernehmen die Architektenbüros, mit welchen Sie zusammenarbeiten, auch die Einreichung der Bauanträge.
Darum geht es eben, exakt richtig. Planung ist hauptsächlich die Arbeit für und mit den Behördengängen. Da Architekten oftmals nicht das umfangreiche Fachwissen wie Wintergartenbauer haben, so ist der Architekt natürlich in der Planungsphase mit involviert, aber schlussendlich hat er hauptsächlich mit den Genehmigungsverfahren zu tun.
Das ist bestimmt für sehr viele Kunden sehr positiv zu wissen, dass nicht sie sich durch den Behördenwirrwarr schlängeln müssen, sondern dass das bereits jemand für sie erledigt, der sich auch damit auskennt.
Wir haben verschiedene Architekten in verschiedenen Gebieten, wo wir uns auch bewegen, welche auch gleichzeitig, was nicht ganz unwichtig zu wissen ist, Statiken erstellen.
Das wäre nun genau mein nächster Punkt gewesen, die Statik:
Also, um es auch mal so sagen zu können, das ist natürlich auch eine Kostensache, denn wenn es wieder an einen Statiker gegeben werden muss, welcher nur Statiken macht, dann kommen auch wieder separate,nicht ganz unerhebliche Kosten auf den Kunden zu. Da unsere Architekten die Statik gleich mitmachen können, minimieren sich dadurch auch die Kosten.
Unterschiedliche Standorte und unterschiedliche Größen ergeben ja auch immer eine andere Statik, wirken sich Materialunterschiede auch auf die Spannweiten aus?
Es gibt keine Dächer aus Kunststoff, nur aus Aluminium oder Holz, da unterscheidet man in der Tragfähigkeit. Gerade im Zusammenhang der Tragfähigkeit gibt es keine Systeme aus Kunststoff, dies ist auch allgemein gültig. Viel interessanter aber noch zum Thema Statik ist im Grunde genommen, zu wissen, dass sich die Statik über die Konstruktion der Tragfähigkeit erstreckt, aber darüber hinaus werden äußere Einflüsse noch mit eingebunden, sprich – es gibt in Deutschland Schneelastzonen und diese Schneelastzonen werden nach Postleitzahlen aufgegliedert, das heißt jede Postleitzahl hat eine eigene Schneelast. Das ist nach dem Einsturz in Bad Reichenhall eingeführt worden, bzw. nach diesem Einbruch wurden alle Statiken neu überarbeitet.Hierzu ein Beispiel:
Wir haben ein Wintergarten im Sauerland aufgebaut. Das ursprüngliche Dorf liegt in einem Tal und der Wintergarten wurde nur zwei , drei Straßen weiter erstellt, doch bei einer Steigung von 70 m – 80 m wurde bereits eine andere Postleitzahl vergeben und die Schneelast wurde dadurch schon wieder angehoben. Durch die unterschiedliche Postleitzahl kann es nun halt dann auch heißen, dass hier keine 75 kg Schneelast sind, sondern 125 kg, 150 kg oder gar 200 kg Schneelast. Das ist durch die PLZ-Festlegung ganz variabel. Macht an sich eigentlich auch Sinn – denn wenn ich mich z.b. in höheren Regionen aufhalte, dann habe ich bekanntlich ja auch mehr Schnee dort weiter oben.
Kunststoff und Aluminium – Unterschiedliche Materialien – mit unterschiedlichen Wärmedämmungen? Wie sieht es mit dem g-Wert und dem Aluwert aus? Ist dieser Wert denn entscheidend bei den beiden Materialien?
Also, gerade jetzt im Bezug auf die Wärmeschutzverordnung wird auch bei uns differenziert. Die Kunststofffenster haben einen besseren u-Wert (Wärmedurchlässigkeit), das heißt also ich habe im Augenblick bei Kunstststofffenstern die bessern Voraussetzungen eine sehr gute Wärmedämmung darzustellen. Bei Aluminiumelementen ist das grundsätzlich etwas problematischer,weil die einen nicht so guten Wärmedämmschutz haben wie Kunststoffelemente.
Aluminium- und Kunststoffelemente haben jedoch die gleiche Standfestigkeit, wobei hierbei zu beachten ist, dass die Statik niemals über die Fensterelemte abgeleitet wird. Sondern über das Stützenmaterial, deshalb kann man vom statischen Wert bei besser oder schlechter beim Kunststoff oder Aluminium gar nicht sprechen.
Da Kunststoff- auch nicht die Farbauswahl wie Aluminium-, oder Holz-Aluminiumkonstruktionen haben, entscheiden sich die Kunden letztendlich meist für die Ästhetik und ihrem persönlichen Geschmack. Doch bauen wir selbstverständlich auf Kundenwunsch und daher auch beide Variationen.
Wobei bei der Aluminium- oder Holz-Aluminiumkonstruktion ein anderes Thema auch im Forum immer wieder aufgegriffen wird: Spannungsgeräusche bei Temperaturschwankungen! Kann man diese Geräusche irgendwie beheben oder gar ganz ausschließen?
Nein, das ist ein physikalisches Gesetz. Das sind die Ausdehnungseigenschaften der Materialien. Bei Hitze dehnt sich das Material aus, und bei Kälte, oder kälteren Temperaturen zieht es sich dann wieder zusammen. Sprich ein Material, dass einfach durch die Temperaturen arbeitet.
Es ist ja etwas anderes, ob ich ein richtiges Mauerwerk da stehen habe, das wirklich standfest montiert wird, oder ich habe die schmalen Profile der unterschiedlichen Materialien, welche durch Temperaturschwankungen auch arbeiten. Thermische Ausdehnung einfach gesagt!
Ein Punkt Herr Schulte, welchen wir vorher schon hätten mit aufnehmen können – Kosten, Förderung und steuerliche Absetzungsmöglichkeiten. Sie haben die Frage der Kosten ja schon sehr gut auf Ihrer Homepage mit aufgenommen, wobei hier auch von der Aussage eines Preisverfalls bei Wintergärten gesprochen wird. Was kann man darunter verstehen?
Prinzipiell ist bedeutet ja der Anbau eines Wintergartens ein Zugewinn, das Grundstück gewinnt dadurch natürlich an Wert. Natürlich ist es aber im Umkehrschluss auch so, dass ich nach einer gewissen Zeit auch einen Preisverfall habe. Wie zum Beispiel bei einem Auto, oder wie mit allen Sachen, die man dann ja auch in Gebrauch hatte. Der Wintergarten ist ja benutzt worden und die Materialien waren auch der Witterung ausgesetzt.
Doch eigentlich spricht man ja im Zusammenhang mit dem Wintergartenbau von einem Mehrwert. Und der Mehrwert ist ja nicht nur im finanziellen zu sehen, so dass ich dann einen schönen Wintergarten habe, sondern der Mehrwert ist ja auch darin zu sehen, dass ich auch energiesparend arbeiten kann. Für den Wintergarten gab es mal eine Förderung die besagt, dass ich einen solaren Zugewinn habe. Zudem schaffe ich mir ja auch den Mehrwert dadurch, Energie zu sparen, durch den solaren Zugewinn, so sieht es auch der Gesetzgeber.
Wie sieht es jetzt aber noch mit der steuerlichen Absetzung aus?
Die steuerliche Absetzbarkeit bezieht sich nur auf die Montagekosten.
Generell nur auf die Montagekosten?
Ja, denn das ist ja mit zur Eindämmung der Schwarzarbeit eingeführt worden, und das betrifft ja alle Handwerkerrechnungen. Im Schnitt kann man sagen, es gibt ein Pauschalbetrag. Die Höhe der Pauschalbeträge sind über die zuständigen Finanzämter zu erfragen.
Nun sind wir beim Fundament eines Wintergartens: Das Fundament ist ja ein wesentlicher Bestandteil des Wintergartens…
Ja, es ist eigentlich der wichtigste Bestandteil des Wintergartens, also die Standfestigkeit als solches. Die Gründung und Standfestigkeit sollte auf jedenfall ein Maurerunternehmen übernehmen.
Haben sie auch hierfür Partnerunternehmen?
Ja, auf jeden Fall. Für alle Bereiche haben wir in unseren Gebieten unsere Partnerunternehmen. Vom Maurer über den Zimmermann, den Dachdecker ebenso wie den Elektriker und den Heizungsbauer und wen man sonst noch alles benötigt.
Also, wenn man sich als Kunde in die Hände der Firma Stern begibt, dann ist man rundherum gut versorgt.
Ja, wobei das ja auch der Wunsch der Kunden ist, ein Komplettpaket zu bekommen.
Es ist ja bestimmt auch nicht einfach gewesen, die für sie passenden Partner zu finden. Was können sie mir denn über diese Entwicklung sagen?
Es ist tatsächlich so, dass es seine Zeit braucht, bis man durch und durch kompetente und absolut zuverlässige Partnerfirmen zusammen hat. Doch die die Jahre und die Erfahrung haben uns heute zu Partnerschaften mit sehr qualifizierten und absolut zuverlässigen Partnern verholfen.
Um noch einmal kurz auf die Energieverordnung zurück zu kommen: Jeder spricht von der Energieverordnung und Energieersparnis. In wie weit greift die Energieverordnung in den Bau eines Wintergartens ein? Da ein Wintergarten auch als für sich geltender Raum gewertet werden kann.
Der Wintergarten wird in der Wärmeschutzverordnung NICHT berücksichtigt. Wintergärten, welche ja eigentlich zu dem Bereich Fenster und Türen gehört, wird vom IFT (Fensterinstitut in Rosenheim) betreut, bzw. werden dort die maßgeblichen Regeln festgelegt.
Da gibt es doch die DIN Norm 4108 (Gebäude müssen auf Dämmung und Dichtheit den Anforderungen entsprechen), wie sieht es denn damit aus?
Diese DIN-Norm trifft bei einem Wintergarten nicht mehr zu, da der Wintergarten von den Normen der Fenstertechnik losgelöst wurde. Der Fachverband-Wohnwintergarten hat irgendwann gesagt, wie wollt ihr als Institut für Fenstertechnik eigentlich einen Wintergarten beurteilen? Die Fachleute für Wohnwintergärten sitzen ja eigentlich in den Verbänden. Und es wurde im Herbst 2009 von IFT an den Wintergarten Fachverband übergeben.
Eine kurze Erklärung hierzu zum besseren Verständnis weshalb das so gemacht wurde:
Den Wintergarten vor Kälte zu schützen ist gar nicht mal so schwierig, doch jetzt kommt tatsächlich der Punkt woran es scheitert: Die meisten Wintergärten haben eine Süd-Ausrichtung, das heißt, sie bekommen im Sommer immer volles Rohr die Sonne ab. Ist ja eigentlich auch so gewollt, denn dafür gibt es ja auch Sonnenschutz, Beschattungsanlagen, usw. Jetzt besagt aber eine DIN-Norm ein Bauteil, unter anderem auch der Wintergarten, darf sich innerhalb von 24 Stunden, also von einem Tag, max. 10%, also nur 2,4 Std. nur über ca. 26,4 Grad bewegen…… Das allerdings funktioniert so nicht, da ich ja auch eine Speicherwirkung in dem Wintergarten habe.
Macht die Firma Stern auch diese sogenannten Blower Door Tests? (Luftdichtigkeitstests)?
Nein, diese machen wir nicht. Wird in der Regel, wenn dann vom Bauherrn angestrebt und auch nur bei Neubauten. Bei Anbauten macht dies keinen Sinn.
Wie können sie sich die Kundenanfragen bzgl. des Blower Door Test erklären?
Ich kann mir wirklich nur vorstellen, dass bei ANBAUTEN diese Frage nur daher rühren kann, wenn sich die Bauherrn nicht sicher sind und viel zu wenig Vertrauen in die ausführenden Handwerker haben, dass das alles auch so dicht ist wie es für sie sein soll.
So generell in der Planung ist aber ein solcher Blower Door Test nicht mit vorgesehen?
Nein, wie gesagt, dies obliegt dem Bauherrn bei einem Neubau, oder wenn Streitigkeiten vorhanden sind einem Gutachter.